Medaillen-Prägestempel

Vor kurzem hat der Heimatverein Horstmar Prägestempel aus Stahl, Hochglanz poliert, unter Mitwirkung der Stadt Horstmar erworben. Sie wurde von der Firma „Jens Winnes mam marketing and more“, die das Lager einer Prägeanstalt für Medaillen aufgelöst hat, angeboten.

Diese Medaillen-Prägestempel haben einen gewissen historischen Wert, denn die damit einst geprägten Medaillen zeigen auf der einen Seite das alte Horstmarer Wappen, das bis 1969 offizielles Wappen der Stadt war und jetzt noch vom Heimatverein – allerdings in der älteren Fassung (Barock) als Logo geführt wird, und auf der anderen Seite eine Ansicht des oberen Teils der Münsterstraße mit dem Bockholtschen Haus vor der Umgestaltung. Dies ist auf dem Foto der beiden Teile der Prägestempel gut zu erkennen, denn das Foto wurde gespiegelt. Eingraviert sind die Darstellungen in die Stahlstempel nämlich als Negativ.

Welche Medaillen mit dem jetzt erworbenen Prägestempel hergestellt worden sind, konnte allerdings noch nicht geklärt werden. Der Verkäufer hatte darüber keine Unterlagen. Aber vielleicht weiß es ja jemand von den älteren Horstmarern? Stadt und Heimatverein würden sich über eine solche Information sehr freuen!

Das Wappen der Stadt mit dem Löwen (im Wappen-Original rot mit goldener Krone und goldenen Krallen) auf gestreiftem (im Wappen-Original blau – silber) Untergrund, abgeleitet vom Siegel der Edlen Otto von Horstmar aus dem Jahr 1259, war mit sieben blauen Streifen nach der Vereinigung von Stadt und Kirchspiel Horstmar am 1. Oktober 1938 seit dem 1. März 1939 und bis 1969 offiziell. Die Zahl der blauen Streifen hat sich im Laufe der Geschichte mehrfach gewandelt. So enthält das Barockwappen von 1602, das sich im kleinen Sitzungssaal des Rathauses befindet 16 blaue Streifen und vor 1939 verwendete Wappenmarken enthielten 8 blaue Streifen. In vielen Darstellungen ist allerdings das Silber durch Weiß ersetzt.

Durch das Gesetz zur Neugliederung von Gemeinden des Landkreises Steinfurt vom 27. Juni 1969 erfolgte nach einer Volksabstimmung der Zusammenschluss von Stadt Horstmar und Gemeinde Leer zur neuen Stadt Horstmar unter Auflösung des Amtes Horstmar. Daraufhin wurde das Wappen geändert, indem der blau-silber gestreifte Untergrund durch einen silber-blau gevierteilten Schild, dem ehemaligen Wappen der Herren von Leer ersetzt wurde – genehmigt am 9. Februar 1972.

Derartige Prägestempel werden von sogenannten Münzgraveuren hergestellt, der in noch ungehärtete Stempel aus Stahl die einzelnen Medaillenbildnegative hinein graviert. Nach der Gravur werden Ober- und Unterstempel gehärtet. Danach sind die Stempel sehr viel härter als die meist zur Prägung eingesetzten Medaillenmetalle.

Bei der Medaillen- bzw. Münzprägung wird dann in einer entsprechenden Vorrichtung ein Rohling auf den Unterstempel gelegt und dann der Oberstempel mit hohem Druck dagegen gepresst. Rohlinge, Ronden genannt, bestehen aus Messing, Kupfer, Bronze oder sogar den Edelmetallen Silber oder Gold. Goldene Medaillen bestehen jedoch fast immer aus vergoldetem Silber. – Während des Heimatfestes 1977 zum Gedenken an den Tod des Edlen Bernhard II. (der Gute) 750 Jahre zuvor konnten interessierte Horstmarer solche Medaillen aus Silber sogar selbst mit einer Hand-Spindelpresse (Stoßwerk) selbst herstellen. Bei dieser Technik wird die (schnelle) Drehbewegung einer Spindel durch ein Gewinde in eine senkrecht nach unten gerichtete, langsamere Bewegung umgewandelt. Dabei wird die Wirkung durch Schwungmassen am oberen Ende der Spindel erhöht.

Anton Janßen

  • Wappen-Relief im Rathaus von 1602

  • Wappen auf Postkarte von 1912

  • Wappen von Horstmar seit 1939

  • Münsterstraße von 1905

  • Münsterstraße von 1961

  • Medailenprägestempel, Rückseite

  • Medaillenprägestempel, Vorderseite

  • Stadtwappen bis 1969

  • Traditionsbanner von 1927 und dann wieder 1977

Ab sofort ist das neue Jahrbuch „Unser Kreis 2018“ auch beim Heimatverein Horstmar (Familie Janßen privat und Hirsch Apotheke) zum Preise von 10,00 Euro erhältlich. Es enthält Beiträge von Autorinnen und Autoren aus allen 24 Städten und Gemeinden des Kreises Steinfurt. Auf über 270 Seiten finden sich mehr als 80 Beiträge zu Geschichte und Gegenwart des Kreises mit vielen Fotos und Illustrationen. Und unter dem Jahresthema „„Muskelkraft und Pferdestärken““ finden sich darin zahlreiche entsprechende Beiträge mit dem Pferd in Vergangenheit und Gegenwart. Die Spanne reicht vom Reit- und Rennsport über das Transportwesen bis hin zum Einsatz im Bergbau oder in der Forstwirtschaft. Doch auch andere Transportmittel wie die Teutoburger-Wald-Eisenbahn, Traktoren oder Bürgerbusse sowie Transportwege, wie der Horstmarer Landweg, werden vorgestellt. Daneben enthält das Jahrbuch u. a. interessante Berichte zu Ortsgeschichten, zu kulturellen Aktivitäten und viel Plattdeutsches. Das Inhaltsverzeichnis des abwechslungsreichen Bandes kann auf der Website des Kreises Steinfurt oder auf der Homepage des Kreisheimatbundes Steinfurt eingesehen werden. Und da kaum ein Bericht länger als vier Seiten ist, kann man immer mal wieder zwischendurch drin lesen und in so manchem Fall auch Bezüge zu Geschichte und Begebenheiten im eigenen Ort finden. Daher ist es auch ein gutes Weihnachtsgeschenk.

 

Janßen, Horstmar

 

 

  • Modell der Stadt Horstmar, wie sie gleich nach dem Dreißigjährigen Krieg aussah.

  • Modell von Nienborg, wie es gleich nach dem Dreißigjährigen Krieg aussahen. Beide „Festungen (Horstmar und Nienborg) wurden im 13. Jh. angelegt, um den Horstmarer Landweg zu sichern.